Meine Traumtheorie

Die Bestimmung der Traumfunktion erfordert eine mehrdimensionale Betrachtungsweise.

Psychoanalytischer Perspekive

Aus psychoanalytischer Sicht sind Träume Dokumente der Erinnerung. Wichtige Ereignisse aus früheren Lebensphasen, die für die Gestaltung der aktuellen Lebenssituation immer noch bedeutsam sind, werden uns zur Betrachtung und Verarbeitung vorgelegt. Der prägende Einfluss der Kindheit und Adoleszenz tritt in den Traumerzählungen deutlich zutage. Aber auch alle wichtigen Stationen und Ereignisse unseres erwachsenen Lebens sind im Archiv der traumbildenden Instanz gespeichert. Wir gewinnen durch die Traumbetrachtung nicht nur einen vertieften Einblick in unsere Lebensgeschichte, sondern wir werden auch auf Bereiche unseres Ich-Gefüges aufmerksam gemacht, die durch ungelöste Konflikte beschwert und in ihrer Funktion womöglich beeinträchtigt sind. Auf vielfältige Weise bestätigen uns die Träume, dass die Seele in ein kontinuierliches Wachstumsgeschehen eingebunden ist, zu dem wir Sorge tragen müssen. Sie mahnen uns, dass die Entwicklung des Selbst als lebenslange Aufgabe begriffen werden und ernst genommen werden muss. Weil die nächtlichen Dokumente uns entscheidende Hinweise zur Überwindung innerer Hindernisse geben, liegt in der Traumbetrachtung auch eine therapeutische Dimension. In psychotherapeutischen Prozessen können Träume und ganze Traumsequenzen wir eine Art Handbuch der optimalen therapeutischen Strategie gelesen werden.

Spirituelle Dimension

Wir können die kreative, lenkende und seelische Heilung bewirkende Dimension des Traumgeschehens in das Zentrum unserer Traumbetrachtung rücken. Dann liegt es nahe, der traumbildenden Instanz eine umfassende Kenntnis unseres Ich-Gefüges und ein unablässiges Wachen über dem inneren Wachstumsprozess der Seele zuzuordnen. Mit dieser Betrachtungsweise lassen wir die psychologischen Kategorien des Verstehens hinter uns und wagen den Schritt ins Unergründliche. So gelangen wir zu einer spirituellen Auffassung der Träume und ihrer Bedeutung für das menschliche Leben. Wir denken nach über die gestaltende und heilende Kraft im Urgrund der Seele, wie sie von allen grossen geistlichen Lehrsystemen bezeugt wird. Wir erkennen, dass auch der Traum ein Klang ist in der grossen Symphonie des Empfangens, das unsere Seele leben und gedeihen lässt. Wir empfangen unsere Träume als Mahnung, den inneren Wachstumsprozess stets im Auge zu behalten. Wenn wir in Gefahr sind, von der vorgezeichneten Wachstumslinie abzuweichen, lassen uns die Träume eine Warnung zukommen. Wenn wir dagegen der inneren Wachstumslinie folgen und uns ausrichten auf die heilende Kraft im Urgrund der Seele, empfangen wir Träume, die uns auf unserem Weg bestätigen. Diese sind oft durch ausserordentliche Schönheit charakterisiert, ihre Wirkung ist ermutigend und stimmungshebend. Es wird uns immer mehr bewusst, wie kostbar Träume sind , weil wir von ihnen Kraft, Trost und Rat empfangen.

Howald Fosco | minix